Entscheiden wie ein Profi: Wann sollte ich eine Aktie kaufen?

Für Anleger ist es die Frage aller Fragen: Woher weiß ich, wann ich eine Aktie kaufen, verkaufen oder halten soll? Der Frage gehen wir in unserem zweiteiligen Blogbeitrag „Entscheiden wie ein Profi“ auf den Grund. Im ersten Teil widmen wir uns der Kauf-Entscheidung. Letztlich geht es dabei im Kern um die Grundidee des Aktien-Markts: Eine Aktie mit niedrigem Wert zu kaufen und mit gestiegenem Wert wieder zu verkaufen.

 

KURZFRISTIG GEFÄHRLICH

Das Problem ist nur: Es gibt eine kaum zu überblickende Menge an Faktoren, die den Kurs einer Aktie kurzfristig negativ beeinflussen können. So könnte das Geschäftsmodell eines Unternehmens plötzlich nicht mehr rentabel erscheinen. Oder ein Analyst einer großen Investmentbank lanciert einen negativen Bericht. Möglicherweise kursiert ein Gerücht über den Rücktritt des CEOs oder die Firma überrascht mit einem negativen Quartalsbericht. Alternative könnte ein Hedgefonds massiv gegen das Unternehmen wetten.

Diese und viele weitere, oft auch makro-ökonomische Faktoren, erzeugen diverse Risiken für Anleger, weswegen langfristige und diversifizierte Investments grundsätzlich oftmals die bessere Wahl sind. Dazu gibt es eine Reihe von Faktoren, die Anleger berücksichtigen sollten, wenn Sie über Käufe entscheiden.

 

Was für einen Aktien-Kauf spricht

Die Kauf-Entscheidung für eine Aktie sollte immer mit einer entsprechenden Vorarbeit getätigt werden. Das heißt im Vorfeld ist eine entsprechende Recherche notwendig. Quartalsberichte und Bilanzen sind Ausgangspunkte für eine genaue Analyse des Unternehmens. An der umfassenden Fundamentalanalyse der jeweiligen Firma führt aber kein Weg vorbei. Einige der wichtigsten Kennzahlen der Fundamentalanalyse haben wir in diesem Blogbeitrag erklärt.

 

Anzeichen 1: Nachhaltiges Umsatzwachstum

Ein Zeichen dafür, dass sich eine Aktie zukünftig gut entwickeln könnte, ist ein steigender Umsatz bzw. steigender Absatz. Das lässt sich etwa aus den Quartalsberichten ziehen. Wichtig zu beachten dabei: Nur nachhaltiges Wachstum ist interessant. Handelt es sich um einmalige Spikes in den Umsätzen, die nur mit geringer Wahrscheinlichkeit wiederholt werden: Finger weg! Die Wachstumsprognosen des Managements geben Aufschluss darüber, wie die mittelfristige Perspektive aussieht. Bei der Wachstumseinschätzung ist auch der Vorquartalsbericht relevant – denn er zeigt, ob ein Trend erkennbar ist.

Eine klassische Faustregel lautet, dass Unternehmen zwischen 100 Millionen und 1 Milliarde Euro Umsatz ca. mit zehn Prozent jährlich wachsen sollten, während große Blue Chip Unternehmen mit 3 Prozent Wachstum bereits auf einem guten Pfad sind.

 

Anzeichen 2: Steigende Margen

Steigende Margen sind in der Regel ein gutes Zeichen für eine hohe Management Qualität. Wenn eine Firma stärker steigende Ausgaben als Umsätze hat, kann das ein Warnsignal sein. Kann, nicht muss. Unternehmen, die stark in sich selbst und ihre Entwicklung investieren, können mittelfristig bei Anlegern zu Frustration führen. Langfristig, wenn der Plan erfolgreich ist, profitieren Anleger und Unternehmen.

Auf der anderen Seite kann ein Missverhältnis von Ausgabenwachstum und Umsatzwachstum schlichtweg bedeuten, dass eine Firma schlecht gemanagt wird. Deswegen ist es auch in diesem Fall wichtig, die Management-Kommentare der Quartalsberichte aufmerksam zu studieren.

 

Anzeichen 3: Die Story

In der Regel bieten Unternehmen ihren Investoren und den Analysten eine Prognose für die kommenden Quartale und das Geschäftsjahr an. Wie dieser Ausblick ausfällt und wie Investoren darauf reagieren ist von Bedeutung. Fällt der Ausblick schlechter aus als erwartet, beeinflusst das den Kurs in aller Regel negativ. Jüngst führten sogar nur leichte Abweichungen zu teilweise massiven Kursrückgängen – insbesondere bei hochbewerteten Tech-Unternehmen.

Besonders die längerfristige Perspektive ist dabei interessant. Ein schlechteres Quartal wird von Investoren eher toleriert als ein schlechteres Jahr. Verschlechtert sich also beispielsweise der Ausblick aufs kommende Quartal und dafür korrigiert ein Unternehmen den Jahresausblick nach oben, dürfte die Aktie sogar profitieren.

 

Anzeichen 4: Aktienrückkäufe

Entscheidet sich das Management eines Unternehmens für größere Aktienrückkäufe, kann das ein gutes Zeichen dafür sein, dass die Firmenlenker ihre eigenen Aktien für unterbewertet halten. Manche Manager versuchen damit auch bewusst die Attraktivität ihrer Aktie nach außen zu steigern. Aktienrückkäufe können auch die Reduktion der frei verfügbaren Aktien zum Ziel haben, um bestimmte Kennzahlen zu verbessern.

 

Anzeichen 5: Neue Produkte

Ein zweischneidiges Schwert. Niemand kann unter Garantie voraussagen, ob ein neues Produkt ein Unternehmen in neue Höhen trägt oder zum Stolperstein wird. Sicher ist nur, dass Unternehmen in der Regel viel investieren, um ein neues Produkt zu entwickeln, auf den Markt zu bringen und zu verkaufen. Und das generiert Aufmerksamkeit von Konsumenten und Investoren gleichermaßen. Aber nicht jedes neue Produkt ist ein iPod – auch das sollten Anleger im Hinterkopf behalten.

 

Anzeichen 6: Rhetorik

Die Quartalsberichte und Presse-Statements von großen börsengehandelten Unternehmen sind bis ins kleinste Detail ausgefeilt und werden durch Juristen, PR- und IR-Experten geprüft. Deshalb ist die Rhetorik in diesen Statements oft ebenso wichtig, wie die Zahlen in den Quartalsberichten. Ein positiv gestimmter Bericht ist daher ein gutes Zeichen für eine gute weitere Entwicklung, während ein zurückhaltender Bericht eher in die entgegengesetzte Richtung weist. Klingt ein Bericht zu gut, um wahr zu sein, sollten Anleger vorsichtig sein. Denn verpasst das Unternehmen beispielsweise seinen Ausblick, wird es auch an der überschwänglichen Rhetorik gemessen und die Aktie vermutlich abgestraft.

Auch die Nuancen in Vorstands-Interviews können bereits wichtig sein. Spricht ein CEO etwa vermehrt von „Chancen“ oder „Gelegenheiten“ – gut. Betonen Manager dagegen die „Herausforderungen“ – weniger gut. Hilfreich ist selbstverständlich auch der direkte Austausch mit den Unternehmen. Doch der bleibt in der Regel professionellen Investoren vorbehalten.

 

Die Markttechnik

Neben den wirtschaftlichen Kennzahlen eines Unternehmens und dem Verhalten des Managements kann auch die aktuelle Marktlage Hinweise auf eine sinnvolle Kauf-Entscheidung liefern. Dazu lässt sich die Markttechnik heranziehen. Beispielsweise sollten Anleger prüfen, ob die anvisierte Aktie saisonale Kursschwankungen aufweist.

Dazu kann auch der aktuelle Trend einer Aktie eine Hilfestellung geben: Handelt die Aktie gerade über oder unter ihren 50- bzw.- 200-Tage-Linien? Weist die Aktie ein hohes Handelsvolumen auf? Hat das Handelsvolumen zu- oder abgenommen?

 

Das Big Picture

Nicht zu unterschätzen und gerade in der aktuellen Marktphase wichtig zu berücksichtigen sind die Makro-Faktoren, die die Entwicklung einer Aktie beeinflussen können. Inflation, Zinsentwicklung, Steuererhöhungen, politische Konflikte oder Trends im Konsumentenverhalten können beispielsweise eine wichtige Rolle spielen. Aber auch der generelle Abschwung eines Wirtschaftssektors kann eine Aktie, die für sich genommen gut dasteht, negativ beeinflussen.

 

Verantwortung abgeben?

Es wird deutlich: Bevor ein Anleger eine gut informierte Kauf-Entscheidung trifft, ist jede Menge Zeit und Recherche-Arbeit nötig. Die Fülle an Faktoren, die einen Aktienkurs beeinflussen können, ist schier endlos und nicht einfach zu überblicken. Da nicht jeder Privatanleger die Zeit und die Muße hat, um sich in der Tiefe mit jeder Aktie vor Kauf zu beschäftigen, kann es sinnvoll sein, sich auf die Kompetenz von Experten zu verlassen. Beispielsweise eine Online-Vermögensverwaltung wie Solidvest. Fairer Hinweis: Ein Verlustrisiko besteht auch bei einer professionellen Vermögensverwaltung.

Im zweiten Teil unserer Mini-Reihe zeigen wir, wie die Profis über den Verkauf einer Aktie entscheiden. Oder ob es sich doch lohnt, sie weiter zu halten. To be continued...

Sebastian Hasenack

Der Autor

Sebastian Hasenack

Herr Hasenack ist studierter Diplom-Ökonom und beschäftigt sich seit 2015 mit digitaler Geldanlage. Er ist Mitgründer der ersten digitalen Vermögensverwaltung aus Luxemburg. Als verantwortlicher Geschäftsführer konnte er B2C sowie B2B-Modelle eines FinTechs begleiten. Vor der online Variante arbeitete Herr Hasenack im Portfolio- und Fondsmanagement einer klassischen Vermögensverwaltung. Bei Solidvest ist Herr Hasenack als Leiter verantwortlich für Vertrieb und innovative Kooperationsmodelle.

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