Aktienanalyse: Auf diese Kennzahlen schauen die Profis

Wenn die Kapitalmärkte schwanken und aus vielen Richtungen Belastungsfaktoren wirken, ist eine gute Aktienauswahl wichtiger denn je. Das wissen Privatanleger ebenso gut wie professionelle Investoren. Doch die richtige Auswahl von Wertpapieren ist eine herausfordernde Aufgabe, die Zeit, Wissen und eine gewisse Hingabe erfordert. Wir wollen Ihnen deshalb in diesem Blogbeitrag einen Teil des Rüstzeugs an die Hand geben, mit dem Profis, auch bei Solidvest bzw. DJE Kapital, dieser Analyse-Arbeit nachgehen.

 

Die Klassiker

Die schiere Menge an Kennzahlen führt beim wenig erfahrenen Privatanleger mitunter zu Überforderung. Zuerst wollen wir daher auf die essentiellen Metriken eingehen, die ein wichtiges Fundament für weitere Analysen bilden. Also widmen wir uns den Kennzahlen, die im breiteren Konsens als die Klassiker bei der Aktien-Bewertung gelten können. Wichtiger Hinweis: Wir erheben keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit oder universelle Gültigkeit der Auflistung.

 

Kurs-Gewinn-Verhältnis (PE-Ratio)

Das KGV ist eine der geläufigsten Kennzahlen in der Fundamental-Analyse. Die Kennzahl wird berechnet, indem die Marktkapitalisierung durch den Jahresüberschuss eines Unternehmens geteilt wird. Die Kennzahl lässt sich gut an einem Kauf eines Unternehmens erklären: Bei gleichbleibenden Gewinnen zeigt das KGV dem Investor an, nach wie vielen Jahren sich die Investition amortisiert hat. Wenn eine Aktie beispielsweise bei einem KGV von 10 handelt, hat das Unternehmen den Kaufkurs nach 10 Jahren in Gewinnen erwirtschaftet.


Zu verallgemeinern, bei welchem KGV ein Unternehmen günstig oder teuer bewertet ist, ist keine triviale Frage, da es hier diverse Einflussfaktoren gibt. Beispielswiese sektorspezifische, geographische und makroökonomische Einflüsse spielen eine große Rolle, aber auch die Margen- und Wachstumsprofile der Unternehmen.

 

EV/EBITDA

Der EV oder Entreprise Value (deutsch = Unternehmenswert) wird berechnet, indem man die Marktkapitalisierung (den Börsenwert der Firma) und Nettofinanzverschuldung addiert (bzw. die Nettocashposition abzieht). Der EV ist somit der implizite Börsen- bzw. Firmenwert des unverschuldeten Unternehmens, was die Vereinbarkeit bei unterschiedlichen Verschuldungsgraden vereinfacht.


Das Akronym EBITDA steht für Earnings before interest, taxes, deprication and amortization, zu Deutsch „Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen“. In der Kurzfassung: EBITDA entspricht näherungsweise dem Bruttocashflow eines Unternehmens. Die Kennzahl EV/EBITDA eignet sich für Vergleiche mit Unternehmen eines Sektors und zeigt das Verhältnis zwischen Gesamtbewertung des Unternehmens und des operativen Gewinns.

 

Free Cash Flow Yield

Die Free Cash Flow Yield (freie Cash Flow Rendite) setzt sich aus der Division von Free Cash Flow (FCF) pro Aktie über den Aktienpreis zusammen und wird als Prozentsatz dargestellt. Der Free Cash Flow ist eine sehr „ehrliche“ Größe welche als schwer manipulierbar gilt – sie spiegelt die Veränderung der zur Verfügung stehenden Finanzmittel zwischen zwei Perioden wieder (in der Regel Geschäftsjahren oder Quartalen). Eine niedrige Kennzahl besagt, dass Investoren für ihr investiertes Kapital wenig Rendite erhalten. Je höher die Kennzahl, desto mehr Free Cash Flow (oder etwas vereinfacht Barmittel) generiert das Unternehmen pro investiertem Euro.

Der FCF gibt Investoren, ähnlich wie das EBITDA, also Aufschluss darüber, welche Handlungsoptionen das Management eines Unternehmens in Zukunft hat und wie fähig es ist, sich ebendiese Handlungsspielräume zu erarbeiten. Im Gegensatz zu bilanziellen Kennzahlen wie etwa dem Nettogewinn, die von Sondereffekten wie Abschreibungen verzerrt werden können, ist der FCF verzerrungsfrei und daher besonders beliebt. Das ist auch ein Vorteil gegenüber dem EBITDA.

 

Kurs-Buchwert-Verhältnis

Das KBV ist ebenfalls eine beliebte Kennzahl in der Aktienanalyse, vor allem auch bei Value-Investoren. Sie zeigt eine Beziehung zwischen Aktienkurs und bilanziellen Kapitals der Firma, (adjustiert um Abschreibungen bzw. Zuschreibungen); Etwas vereinfacht gesprochen also den theoretischen Wiederherstellungswert der Firma. Das KBV ermöglicht Aussagen darüber, welchen Auf- oder Abschlag der Aktienmarkt auf den Buchwert des Unternehmens bezahlt. Kurs/Buchwertverhältnisse haben in machen Sektoren mehr Aussagekraft als in anderen. Beispielsweise kann das KBV im Industrie-, Chemie-, Rohstoff- und Infrastruktur-Sektor durchaus sehr hilfreich sein, ist aber im Technologiesektor beispielsweise weniger relevant.

Ein KBV von unter 1 bedeutet, dass die Aktie unter dem Widerbeschaffungswert des bilanziellen Vermögens des Unternehmens handelt. Ein KBV über 1 bedeutet per se nicht, dass die Aktie teuer ist, sondern kann aufgrund von hohen Eigenkapitalrenditen auch ein Qualitätsmerkmal sein. KBVs werden oft relativ zur eigenen Historie des Unternehmens oder Sektors betrachtet.

 

Die Profi-Kennzahl: Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis (PEG-Ratio)

Viele stark wachsenden Unternehmen erwirtschaften relativ geringe Gewinne, da sie überproportional in zukünftiges Wachstum investieren. Dies hat zu Folge, dass sie auf KGV-Kennzahlen optisch unverhältnismäßig teuer gegenüber gewinnorientierteren Unternehmen aussehen. Um Aktien mit unterschiedlichen Wachstumsraten vergleichbarer zu machen, ist das Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis, kurz PEG-Ratio, eine hilfreiche Kennzahl.

Das PEG-Ratio wird errechnet, indem man das KGV durch das erwartete prozentuale Gewinnwachstum teilt. Mit dieser Kennzahl wird also nicht nur der aktuelle, sondern auch der zukünftige Gewinn ins Verhältnis zum Kurswert gesetzt und hat in gerade bei der Bewertung von stark wachsensen Unternehmen gewisse Vorteile gegenüber dem klassischen KGV. Ähnlich wie beim KGV spielen diverse Faktoren hier eine Rolle was als günstig oder teuer bezeichnet werden kann, allerdings gilt eine PEG Ratio von 1 im ersten Schritt als guter Anhaltspunkt.

 

Das sagt der Profi

„Keine Kennzahl kann allein für sich stehen“, erklärt uns DJE Portfolio Manager Philipp Stumpfegger. „Deshalb ist es bei der Auswahl entscheidend, ein möglichst umfassendes Bild zu einem Unternehmen, seinen Perspektiven und seinen Leistungen zusammen zu erarbeiten.“ Er betont zudem, dass Kennzahlen immer auch „Kontext-abhängig“ zu bewerten seien. Außerdem gebe es Sektor-spezifische Kennzahlen, wie beispielsweise die FFO-Rendite (Funds From Operations) im Immobilien-Sektor, die dort berücksichtigt wird. „Kennzahlen sind extrem hilfreich, aber gerade als Privatanleger nicht immer leicht in Relation zu setzten“ so Stumpfegger. Zum Glück gibt es Profis, die einem hier die Arbeit abnehmen können.

Sebastian Hasenack

Der Autor

Sebastian Hasenack

Herr Hasenack ist studierter Diplom-Ökonom und beschäftigt sich seit 2015 mit digitaler Geldanlage. Er ist Mitgründer der ersten digitalen Vermögensverwaltung aus Luxemburg. Als verantwortlicher Geschäftsführer konnte er B2C sowie B2B-Modelle eines FinTechs begleiten. Vor der online Variante arbeitete Herr Hasenack im Portfolio- und Fondsmanagement einer klassischen Vermögensverwaltung. Bei Solidvest ist Herr Hasenack als Leiter verantwortlich für Vertrieb und innovative Kooperationsmodelle.

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