Das Comeback der Zykliker?

Die Kurskorrektur im Januar hat die Euphorie der Anleger gebremst. Das ist ein gutes Zeichen für die Markttechnik. Technologie- und CleanTech-Werte können ein weiterhin starkes Wachstum vorweisen. Unterdessen überraschen aber auch zyklische Werte mit erfreulichen Bilanzen, was für eine Belebung der Konjunktur spricht. Der Markt wird breiter.

Die Autoren

Das Analystenteam von DJE beobachtet und bewertet die Märkte laufend anhand der hauseigenen FMM-Methode nach fundamentalen, monetären und markttechnischen Kriterien. Einmal im Monat fassen sie ihre Ergebnisse zusammen. Im Gespräch mit dem Wall Street Experten und Finanzjournalisten Markus Koch geht der Leiter der DJE Research Abteilung, Florian Bohnet, auf die zentralen Thesen ein.

 

 

Die wichtigsten Punkte für den Februar 2021:

  1. Aktien bleiben im ersten Halbjahr 2021 aussichtsreich.
  2. Wir setzen auf ausgeglichene Portfolios, sowohl mit Technologiewerten als auch zyklischen Qualitätsaktien.
  3. Zuletzt wieder bessere Markttechnik, gepaart mit Trendstärke dank monetärem Rückenwind.

 

Aktien BLEIBEN IM ERSTEN HALBJAHR AUSSICHTSREICH

Die Konjunktur dürfte sich weiter erholen. In Europa voraussichtlich langsamer als in den USA, aber im Trend geht es wieder aufwärts. Corona wird uns noch einige Zeit begleiten, aber die Erfolge des Lockdowns und der Impfungen sind in Sichtweite. Zudem ist die monetäre Stimulierung – man kann es gar nicht oft genug sagen – enorm. Und ungeachtet aller Diskussionen werden die Notenbanken die Zügel noch sehr lange sehr locker lassen. US-Notenbankchef Jerome Powell äußerte jüngst, dass in absehbarer Zeit nicht mit Zinserhöhungen zu rechnen und an eine Abkehr von der sehr konjunktur-stimulierenden Geldpolitik noch nicht zu denken sei.

 Die Inflationserwartungen in den USA steigen inzwischen aber deutlich, und auch wir erwarten u.a. wegen Rohstoff- und Ölpreiseffekten einen vorübergehenden Anstieg auf bis zu 3%. Zusammen mit einer verbesserten Konjunktur dürfte das auch die Zinsen der 10-jährigen US-Staatsanleihen steigen lassen. Wir gehen aber nur von einem moderaten Anstieg auf etwa 1,5% aus, der den Aktienmarkt nicht unter Druck bringt.

Die größere Gefahr geht vom Dollar aus. Dieser muss genau beobachtet werden. Ein starker Dollaranstieg in kurzer Zeit würde die Aktienmärkte belasten. Ein Auslöser hierfür könnten etwa sehr starke geldpolitische Lockerungen (QE1) in Europa sein, denn die Konjunktur hier ist noch gefährdeter als in Übersee. Bislang ist die Situation aber ausgeglichen. Noch mehr QE wäre wiederum für die Aktienmärkte insgesamt förderlich.

Fazit: Unser Ziel von 16.000 Punkten für den DAX ist weiterhin realistisch. Wir bleiben dabei und sind folglich hoch investiert.

 

Wir setzen auf ausgeglichene Portfolios – mit Technologiewerten und zyklischen Qualitätsaktien

Viele Technologiewerte haben seit Mitte 2020 konsolidiert. Mit der aktuellen Berichtssaison wird aber erneut deutlich, dass diese Werte enormes Wachstum zeigen, was immer noch häufig unterschätzt wird. Die Kurse vieler großer Schwergewichte ziehen folglich an. Gleichzeitig überraschen aber auch zyklische Aktien. Insgesamt fällt die Berichtssaison für unsere Werte bislang sehr erfreulich aus.

Auch für den Gesamtmarkt gilt: Der Markt steigt in der Breite. Die Situation ist anders als 2020, als nur einige wenige Titel den Indexanstieg verantworteten. Das ist ein gutes Zeichen. Auch regional ist das Bild erfreulich. Wir profitieren derzeit stärker von einer guten Entwicklung unserer asiatischen Investments. In dieser Region sehen wir seit Monaten das größte Wachstum. Besonders China bleibt für uns das Zugpferd der Weltkonjunktur. Titel mit China-Exposure werden bevorzugt. Die Megatrends zu erneuerbaren Energien und elektrischer Mobilität werden stellenweise auch durch die Asiaten bestimmt, und das auf der Nachfrage- und der Angebotsseite. Wir finden hier viele interessante Unternehmen.

Fazit: Portfolios sollten ausgewogen sein. Derzeit gibt es Chancen in vielen Ländern und Sektoren.

 

Zuletzt wieder bessere Markttechnik, gepaart mit Trendstärke dank monetärem Rückenwind

Die sehr kurze Korrektur im Januar reichte bereits aus, um die angespannte Markttechnik für Aktien zu verbessern. Ohnehin sind in einem Aufwärtstrend Kursrücksetzer schwer zu berechnen. Entscheidend ist der rechtzeitige Wiedereinstieg, um keine Chancen zu verpassen.

Auffällig ist, dass Kleinanleger in viel stärkerem Maße aktiv sind als in den vergangenen Jahren. Der Optimismus der Kleinanleger und ihre Risikobereitschaft sind deutlich ausgeprägter als bei institutionellen Investoren. Das zeigt sich an den Aktien und den Instrumenten, die Kleinanleger bevorzugt kaufen. Bislang lagen die Privatinvestoren damit sehr gut. Das Segment der vermeintlich langweiligen Value-Aktien2 mit hohen Free Cash Flows3 und stabilen Geschäftsmodellen ist naturgemäß weniger gefragt als gute Stories oder Technologietitel.

Wir sehen jedoch Chancen auf beiden Seiten und beginnen auch Positionen bei Titeln aufzubauen, die derzeit nicht bzw. noch nicht im Fokus stehen. Wir bleiben einstweilen aber auch den Technologietiteln treu, zumal deren Bewertungsniveaus nicht mit den Niveaus der 2000er-Jahre vergleichbar sind. Derzeit googlen Anleger sehr häufig der Begriff „Platzen der Blase“. Solange das so ist, scheint noch eine gesunde Skepsis vorzuherrschen.

Fazit: The trend is your friend4. Wir setzen vorerst weiter auf Buy the dip5.

 

Fußnoten:

1 Quantitative Lockerung (oder QE von englisch „quantitative easing“) bezeichnet eine unkonventionelle Form der Ausweitung der Geldbasis (expansive Geldpolitik) durch eine Zentralbank. Dabei kauft die Zentralbank meist langfristige private oder öffentliche Wertpapiere, z.B. Staatsanleihen, von den Geschäftsbanken auf. Durch diese Käufe wird die Geldbasis erhöht.

2 Value-Strategie: Hinter der Value-Strategie (engl. Value = Wert) steht die Idee, dass an der Börse Unternehmen zu finden sind, deren eigentlicher Wert gegenwärtig von Marktteilnehmern noch nicht erkannt wird (unterbewertete Unternehmen).

3 Der Free Cash Flow (FCF) sind die liquiden Mittel, die einem Unternehmen am Ende einer Periode nach Abzug aller Kosten und Steuern zur Verfügung stehen. Free Cash Flow ist definiert aus dem Cash Flow aus operativer Geschäftstätigkeit plus Cash Flow aus Investitionstätigkeit. Er verdeutlicht, wie viel Geld für die Dividenden der Aktionäre bzw. Gesellschafter oder für eine fällige Rückführung der Fremdfinanzierung verbleibt. Die Größe des nachhaltigen Free Cash-Flows ist für Finanzierungsinstitute ein Indikator für die Rückzahlungsfähigkeit von Krediten und wird deshalb oft als Berechnungsgrundlage der Finanzierungskapazität verwendet.

4 „The trend ist your friend“ ist eine der wichtigsten Börsenweisheiten, denn statistisch ist es wahrscheinlicher, dass ein Börsentrend noch länger anhält, als dass er abrupt endet. Daher ist es für Anleger ratsam, nicht gegen den Trend zu handeln, solange es keine klaren Anzeichen für eine Trendumkehr gibt. Daraus lässt sich ableiten, dass ein Anleger stets versuchen sollte, Gewinne so lange laufen zu lassen, bis ein Trend dreht. Speziell für Abwärtstrends gibt es ergänzend die Empfehlung, nie in ein fallendes Messer zu greifen.

5 „Buy the dip“ bedeutet, dass Anleger Aktien bei Kursrückschlägen kaufen sollten, um günstigere Einstiegskurse zu erhalten. In einem Bullenmarkt ist das eine erfolgreiche Strategie, weil Aktienkurse nach Rückschlägen weiter steigen.

Florian Bohnet

Der Autor

Florian Bohnet

Herr Bohnet ist Leiter des Bereichs Research & Portfoliomanagement. Zusammen mit seinen 13 Teammitgliedern ist er für die Asset Allocation und Einzeltitelauswahl der DJE Kapital AG verantwortlich. Er treibt die Digitalisierung und Quantifizierung des DJE-Investmentprozesses voran.

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