Januareffekt: Saisonaler Renditegarant oder Mythos?

Börsenweisheiten und Annahmen über vermeintliche saisonale Sondereffekte gibt es wie Sand am Meer. In diese Kategorie fällt auch der so genannte „Januareffekt“. Doch was genau verbirgt sich dahinter? Der Januar-Effekt speist sich aus der Annahme, dass insbesondere zum Jahresbeginn höhere Renditen für Anleger möglich sind. Und ein Blick auf die aktuelle Entwicklung an den Kapitalmärkten scheint die Annahme ebenfalls zu untermauern. Sollten Anleger also den Januar-Effekt unbedingt nutzen?

Warum ausgerechnet Januar?

Kapitalmarktexperten gehen mittlerweile davon aus, dass der Januar-Effekt, sofern er denn eintritt, seinen Ursprung bereits am Ende des Vorjahres hat. Denn nicht selten versuchen insbesondere US-Anleger im Dezember durch Verkäufe von Verlustpositionen möglicherweise anfallende Steuern bei gut gelaufenen Aktienpositionen auszugleichen. Freigewordenes Kapital kann dann im Januar wieder investiert werden.

Gleichzeitig sind fallende Kurse im Dezember für viele Anleger ein Investmentanreiz, um bessere Einstiegskurse zu nutzen. Ein weiterer möglicher Verstärker für positive Wertentwicklungen im Januar sind zusätzliche Geldmittel bei Anlegern, etwa Jahresbonuszahlungen. Und was sagt die Empirie?

Januar Effekt: Small-Caps only?

Renditen variieren stark je nach Betrachtungszeitraum, geographischem Raum und Aktien-Typ. Insbesondere bei Aktien mit geringer und solchen mit hoher Marktkapitalisierung (Small- bzw. Large-Caps) zeigen sich Unterschiede. So beobachtete der „Erfinder“ des Januar-Effekts, der Investmentbanker Sidney Wachtel, bereits in den 1940er Jahren, dass besonders Small Caps aufgrund ihrer geringeren Liquidität stark von saisonalen Ausschlägen im Januar betroffen waren.

 

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Quelle: Bloomberg, DJE Kapital AG (Stand 12.01.2023)

 

Daten lügen nicht

Die Daten der großen Indizes stützen die Annahme des Januar-Effekts allerdings nicht. Ein Blick auf die monatlichen Durchschnittsrenditen der letzten 30 Jahre des US-Leitindex S&P 500 und auf den DAX (Vergleiche Grafiken) zeigt klar: Bei großen Blue-Chip Aktien ist der Januar im Schnitt kein übermäßig starker Monat. Trotzdem tritt das Phänomen einzelner starker Januarperformances immer wieder auf. Insgesamt hält sich in den genannten Indizes allerdings die Waage zwischen positiven und negativen Renditen im Januar.

 

DAX_seit_1994_SHA

Quelle: Bloomberg, DJE Kapital AG (Stand 12.01.2023)

 

Der Index ist nicht alles

Wichtig: Wer durchschnittliche Entwicklungen größerer Indizes betrachtet, sollte sich stets vor Augen führen, dass sich der Kapitalmarkt keinesfalls aus wenigen großen Bestandteilen, sondern aus sehr vielen kleinen Bestandteilen zusammensetzt. Das gilt selbstverständlich auch für die Indizes und die Aktien, die sie umfassen. Das bedeutet beispielsweise auch, dass einzelne Unternehmen bzw. Sektoren von saisonalen Effekten profitieren können, auch wenn der Index das nicht nahelegt. 

 

Langfristige Strategie EntSCHEIDET

Was bedeutet das für Anleger? Saisonale Anomalien, wie eben der Januar-Effekt, sind keine verlässliche Grundlage für Investment-Entscheidungen. Eine sinnvolle, langfristige Anlagestrategie mit genauer Analyse von Einzeltiteln  hingegen bilden das Fundament für die persönliche Geldanlage. Entsprechend wichtig ist auch die richtige Erwartungshaltung sowie der Anlagehorizont. Anleger, die auf der Suche nach kurzfristigen Renditen sind, laufen an den Kapitalmärkten stets Gefahr enttäuscht zu werden. Ein langer Atem und eine gewisse Ruhe sind essenzielle Bestandteile des Erfolgs an der Börse.

Sebastian Hasenack

Der Autor

Sebastian Hasenack

Herr Hasenack ist studierter Diplom-Ökonom und beschäftigt sich seit 2015 mit digitaler Geldanlage. Er ist Mitgründer der ersten digitalen Vermögensverwaltung aus Luxemburg. Als verantwortlicher Geschäftsführer konnte er B2C sowie B2B-Modelle eines FinTechs begleiten. Vor der online Variante arbeitete Herr Hasenack im Portfolio- und Fondsmanagement einer klassischen Vermögensverwaltung. Bei Solidvest ist Herr Hasenack als Leiter verantwortlich für Vertrieb und innovative Kooperationsmodelle.

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