Monetäre Walze

Der Durchbruch bei der Entwicklung eines wirksamen Corona-Impfstoffs wirkt wie ein befreiender Katalysator auf Sektoren, die bisher von der Pandemie gebeutelt waren. Zugleich schwimmt der Markt im Geld, was Aktien generell hilft. Allerdings herrscht allenthalben beinahe Übermut, so dass wir etwas Vorsicht walten lassen. 

Die Autoren

Das Analystenteam von DJE beobachtet und bewertet die Märkte laufend anhand der hauseigenen FMM-Methode nach fundamentalen, monetären und markttechnischen Kriterien. Einmal im Monat fassen sie ihre Ergebnisse zusammen. Im Gespräch mit dem Wall Street Experten und Finanzjournalisten Markus Koch geht der Leiter der DJE Research Abteilung, Florian Bohnet, auf die zentralen Thesen ein.

 

 

Die wichtigsten Punkte für die letzten Wochen des Jahres:

  1. Aktien bleiben mit Blick auf 2021 aussichtsreich.
  2. Sektor-Rotation1 bzw. Favoritenwechsel könnte weitergehen.
  3. Kurzfristig zeigt die Markttechnik zu viel Optimismus an.

Aktien bleiben mit Blick auf 2021 aussichtsreich

 

Börsenentwicklungen sind mit vielen Unsicherheiten verbunden. Zuverlässiger sind dagegen mittelfristige monetäre Trends. Diese sind derzeit eindeutig positiv für die Börse. Man könnte schon fast von einer monetären Walze sprechen, welche die Belastungsfaktoren für die Wirtschaft überrollt. Hinzu kommen positive Konjunktursignale, die besonders in Asien und China so gut sind wie seit vielen Jahren nicht mehr. Etwas gedämpfter, aber dennoch im Trend positiv, ist die Wirtschaftsentwicklung in Europa und den USA. Neu ist, dass gute Frühindikatoren keinen Zinsanstieg mehr auslösen. Sollte es den Notenbanken gelingen, die Zinsen dauerhaft niedrig zu halten, dann werden Aktien weiterhin günstig sein. Die USA sind von den politischen Umständen, die der Präsidentenwechsel nach sich zieht, vorübergehend noch etwas belastet, aber Anfang 2021 dürfte ein neues Konjunkturpaket zu erwarten sein. In Europa wird bereits jetzt stimuliert wie noch nie. Die Konjunktur sollte daher anspringen und positiv überraschen. Der Euro nimmt das heute schon vorweg.

 

Fazit: Wir bleiben bei unserer tendenziell hohen Aktienquote.

 

Sektor-Rotation bzw. Favoritenwechsel könnte weitergehen

 

Das Coronavirus dürfte im ersten Quartal des neuen Jahres seinen Schrecken verlieren. Die aktuellen Meldungen zu Impfstoffentwicklungen und -zulassungen stimmen optimistisch. In den ersten Monaten nach der Zulassung dürften zunächst v.a. Risikogruppen verstärkt gegen COVID-19 geimpft werden und anschließend die breite Bevölkerung. Danach gibt es keine Veranlassung mehr für starke Restriktionen. Das wird die konjunkturabhängigen Titel und die durch die COVID-19-Pandemie belasteten Branchen beleben. Die im November begonnene Sektor-Rotation könnte daher anhalten. Gleichzeitig könnte die US-Börse von anderen Märkten, etwa den asiatischen oder aber auch den europäischen, überholt werden. Chancen gibt es u.a. bei Dividendenaktien und Cashflow2-starken Unternehmenstiteln, denn die Kurse hoch zyklischer Titel sind bereits jetzt stark gestiegen.

 

Fazit: Bei der Auswahl der Titel bleiben wir flexibel und achten auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Value3- und Growth4-Titeln.

 

Kurzfristig zeigt die Markttechnik zu viel Optimismus an

 

Der November war aufgrund der massiven Sektor-Rotation der beste Monat aller Zeiten für den US-Markt. Die Stimmungsindikatoren sind folglich deutlich gestiegen und liegen mehrheitlich in der überkauften Zone. Wir stellen Übertreibungen fest, und zwar sowohl in den Umfrage- und Trendindikatoren als auch bei den Positionierungsdaten der Fondsmanager. Dies stößt zum Jahresende bzw. Jahresbeginn auf eine saisonal gute Phase. Wichtig zu wissen: Trends dauern oft länger als man denkt. Wenn es zu Trendbrüchen kommt, dann besteht in jedem Fall größerer Abgabedruck5. Im Moment ist es dafür aber noch zu früh. Die Privatanleger engagieren sich zunehmend an der Börse. Die Mittelzuflüsse in den Aktienmarkt halten an.

 

Fazit: Vorsicht bei stark gestiegenen, teuren Favoriten-Aktien. Aber solange günstige Aktien zu finden sind, gibt es kaum Gründe zu viel Cash zu halten.

 

1 Sektor-Rotation: Unterschiedliche Wirtschaftssektoren profitieren im Ablauf des Konjunkturzyklus verschieden stark von der wirtschaftlichen Entwicklung. In Aufschwungphasen lassen sich leichter Kursgewinne generieren als in Abschwungphasen. Bei einer klassischen Sektor-Rotation stehen zuerst im Aufschwung die zyklischen oder konjunktursensiblen Branchen im Fokus des Anlegerinteresses, weil sie stark von der anspringenden Konjunktur profitieren (zum Beispiel Banken, Investitionsgüterproduzenten oder die Rohstoffbranche). Neigt sich der Boom dem Ende zu, ist ein Umschichten in konjunkturunabhängige, nicht-zyklische Sektoren (etwa die Nahrungsmittelindustrie oder das Gesundheitswesen) anzuraten.

 

2 Cashflow (dt. Kapitalfluss): Der Cashflow zeigt den Saldo aus Ein- und Auszahlungen und damit den Zu- oder Abfluss an liquiden Mitteln und gibt Auskunft über die Innenfinanzierungskraft eines Unternehmens. Mit Free Cashflow (FCF) ist der Teil des Cashflows aus der operativen Geschäftstätigkeit gemeint, der nach Abzug der Nettoinvestitionen für Dividenden und Tilgungen zur Verfügung steht.

 

3 Value-Strategie: Hinter der Value-Strategie (engl. Value = Wert) steht die Idee, dass an der Börse Unternehmen zu finden sind, deren eigentlicher Wert gegenwärtig von Marktteilnehmern noch nicht erkannt wird (unterbewertete Unternehmen).

 

4 Growth-Strategie: Die Growth-Strategie (engl. Growth = Wachstum) konzentriert sich weniger auf die Analyse von Einzelunternehmen als auf die Betrachtung ganzer Branchen. Der Growth-Investor versucht, frühzeitig zukünftige Wachstumsmärkte zu erkennen und dann die Unternehmen mit der höchsten Wachstumsdynamik auszuwählen.

 

5 Abgabedruck: Börsensituation, in der das Angebot an Wertpapieren die Nachfrage übertrifft, wenn zum Beispiel nach einer Trendwende die Verkäufe überwiegen.

Florian Bohnet

Der Autor

Florian Bohnet

Herr Bohnet ist Leiter des Bereichs Research & Portfoliomanagement. Zusammen mit seinen 13 Teammitgliedern ist er für die Asset Allocation und Einzeltitelauswahl der DJE Kapital AG verantwortlich. Er treibt die Digitalisierung und Quantifizierung des DJE-Investmentprozesses voran.

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