Die Grundlagen des Momentum Investing

An den Börsen findet aktuell ein spannendes Kräftemessen statt. Trader, die sich digital über Plattformen wie Reddit organisieren, versuchen professionellen Shortsellern, vor allem Hedgefonds, die Butter vom Brot zu nehmen. Sie treiben die Kurse einzelner Titel, auf die große Leerverkaufswetten abgeschlossen sind, plötzlich in die Höhe. Das wiederum bringt die Shortseller unter Zugzwang. Das Ergebnis: einzelne Aktienkurse explodieren förmlich. Einige Wirtschaftsmedien sprechen bereits von einem „Kulturkampf“ oder ziehen Vergleiche zum alttestamentarischen „David gegen Goliath“ Duell. Denn die Milliarden schweren Hedgefonds haben einen vermeintlich schwachen Gegner. Doch die Schwarmintelligenz erweist sich bisher als zäher Kontrahent.

 

Den Moment nutzen

Vor dem Kontext dieses Kampfes versuchen aktuell einige Glücksritter Gewinne zu erzielen. Immerhin verbuchen die Aktien zum Teil hohe zwei-, sogar dreistellige Kurssteigerungen. Das weckt Begehrlichkeiten. Denn während einer der klassischen Börsengrundsätze lautet, niedrig zu kaufen und hoch zu verkaufen, gibt es auch eine Herangehensweise, die ein anderes Mantra verfolgt: Kaufe hoch und verkaufe noch höher! Die Rede ist hier vom sogenannten „Momentum Investing“. Neben dem Growth und dem Value Investing ein weiteres wichtiges Anlagekonzept. Trotzdem sei gesagt: Die aktuellen Ereignisse an den Märkten haben wenig mit Momentum Investing und deutlich mehr mit reiner Spekulation zu tun.

 

Teuer ist nicht per se schlecht

Ein Momentum Trade setzt darauf, dass eine im Kurs steigende Aktie weiter steigt. Dass der Einstiegspreis dabei bereits vergleichsweise hoch ist, spielt eine untergeordnete Rolle. Denn nur, weil der Kurs bereits hoch ist, heißt das nicht, dass mit einer Aktie keine Gewinne zu erzielen sind. Die Erholung an den globalen Kapitalmärkten im Jahr 2020 nach dem Corona-Einsturz im Frühjahr hat das deutlich gezeigt. Die großen US-Indizes standen bereits im August wieder auf Rekordhöhe, dank einiger weniger Werte aus dem Tech-Sektor. Sie profitieren nicht zuletzt davon, dass ihre Geschäftsmodelle durch die globale Pandemie nicht beeinträchtigt waren. Im Gegenteil: Manche konnten sogar die strategische Gelegenheit nutzen und ihre Marktposition weiter ausbauen.

 

2020 als Momentum Jahr

Aktien von Unternehmen, die in dieser Zeit besonders betroffen waren, wie etwa Airlines oder Kreuzfahrtreedereien, waren zwar günstig, aber wären kein sinnvoller Kauf gewesen. Sie trugen aufgrund der Situation kaum etwas zur Erholung an den Märkten bei. Deswegen flossen viele Investitionen in die besagten Wachstumsaktien, obwohl sie bereits relativ teuer waren. Trotzdem konnten Anleger 2020 mit ihnen gute Rendite erzielen. In einem Markt mit wenigen Zugpferden kann dieser Ansatz sinnvoll sein.

 

Ursachenforschung

Doch wie entsteht überhaupt Momentum einer Aktie? Grundsätzlich ist ein Aktienkurs nicht anderes als der Preis, zu dem die Aktie zuletzt gehandelt wurde. Steigt der Preis, so liegt das daran, dass im Schnitt mehr Käufer glauben, dass die besagte Aktie einen höheren Wert hat als umgekehrt. Solange dieses Ungleichgewicht besteht, steigt der Preis der Aktie. Das klassische Spiel von Angebot und Nachfrage.

 

Attraktion und Angst

Hinzu kommen die besonderen Eigenheiten des Momentums an den Börsen. Gewinner, auch Gewinneraktien, haben eine fast magische Anziehungskraft. Das lässt die Kurse weiter steigen, denn die Zahlungsbereitschaft nimmt ebenso zu. Damit verbunden ist die berüchtigte FOMO, die Fear of Missing Out. Anleger haben Angst, etwas zu verpassen. Wer möchte schon derjenige sein, der als einziger nicht die eine Überflieger-Aktie der Stunde im Portfolio hat. Auch Profis kennen diesen Druck. Deshalb gewinnen manche Aktie so zusätzlich an Momentum. In gewisser Hinsicht ähnelt das Ganze einem Perpetuum Mobile.

 

Nachhaltiges Momentum gesucht

Um Momentum zu erkennen ist ein Blick in die Markttechnik und die Charts wichtig. Ganz grundlegend ausgedrückt hat eine Aktie, die sich deutlich und beständig in eine Richtung bewegt, Momentum. Ganz so trivial ist das Erkennen von Momentum allerdings nicht. Denn wichtig für den Anleger ist ein nachhaltiges Momentum. Um dieses zu identifizieren, betrachten Profis etwa Indikatoren wie den gleitenden Mittelwert (Moving Average). Dieser gibt dem Anleger einen besseren Blick auf den Trend, indem er die Kursschwankungen glättet.

 

Trends, Charts, Indikatoren

Um zu erkennen, ob eine Aktie Momentum aufweist, legen Profis beispielsweise kurzfristige Trendindikatoren wie die 50-Tage-Linie und langfristige Trendindikatoren wie die 100-Tage-Linie übereinander. Schneidet die 50-Tage-Linie die 100-Tage-Linie auf dem Weg nach oben, ist das ein Anzeichen für Momentum und ein mögliches Kaufsignal. Diese Methode wird auch Moving Average Crossover1 genannt. Es gibt allerdings noch zahlreiche weitere technische Analysemethoden zur Bestimmung von Momentum.

 

Drei Dimensionen

Die Analysten der DJE Kapital AG beschäftigen sich täglich, neben fundamentalen und volkswirtschaftlichen Analysen, natürlich auch mit der Markttechnik. In der bewährten FMM-Methode steht das zweite „M“ schließlich für markttechnische Faktoren. So bildet die FMM-Methode einen dreidimensionalen Ansatz, in den Komponenten aus dem Value, dem Growth und dem Momentum Investing einfließen.

 

Profis statt Hype

Charts zu lesen, die richtigen Analysemethoden anzuwenden und daraus die korrekten Schlüsse abzuleiten, ist komplex und zeitaufwendig. Wer diese Zeit nicht hat und lieber auf die Expertise von Profis vertraut, ist möglicherweise bei einer Online Vermögensverwaltung gut aufgehoben. Internet-Memes, Reddit-Threads und sonstige kurzfristige Hype-Momente wiederum, sollten Anleger mit langfristigen Zielen getrost ignorieren.

 

Quellen:

1. https://en.wikipedia.org/wiki/Moving_average_crossover 

Sebastian Hasenack

Der Autor

Sebastian Hasenack

Herr Hasenack ist studierter Diplom-Ökonom und beschäftigt sich seit 2015 mit digitaler Geldanlage. Er ist Mitgründer der ersten digitalen Vermögensverwaltung aus Luxemburg. Als verantwortlicher Geschäftsführer konnte er B2C sowie B2B-Modelle eines FinTechs begleiten. Vor der online Variante arbeitete Herr Hasenack im Portfolio- und Fondsmanagement einer klassischen Vermögensverwaltung. Bei Solidvest ist Herr Hasenack als Leiter verantwortlich für Vertrieb und innovative Kooperationsmodelle.

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