Short Selling: Wie es funktioniert und ob es sich lohnt

Spätestens seit dem Hype um Meme-Aktien ist das Short Selling („Leerverkauf“) stärker in den Fokus der Berichterstattung gerückt. Bereits zuvor war beispielsweise im Rahmen des Wirecard Skandals verstärkt über die Investment-Strategie/Praxis berichtet worden. Dabei wurde, nicht ausschließlich, aber immer wieder ein Bild von unmoralischen Spekulanten gezeichnet, die ihr Geld verdienen, indem sie andere Firmen zugrunde richten. Aber trifft dieses Bild zu? Was genau ist Short Selling und können auch Privatanleger „short sellen“? Was spricht dafür und was dagegen? Das erklären wir in diesem Beitrag.

 

Short und knackig

Obwohl der Begriff Short Selling (deutsch: Leerverkauf) mittlerweile einem breiteren Publikum bekannt sein dürfte, umgibt ihn immer noch etwas Mystisches. Dabei ist es grundsätzlich nicht kompliziert: Beim Short Selling setzt der Anleger darauf, dass der Kurs eines bestimmten Wertpapiers fällt und kann so im Erfolgsfall seine Rendite erwirtschaften.

Manche Anleger nutzen Short Selling aber auch, um sich zu „hedgen“, also abzusichern. Sie wollen mit dem Leerverkauf keinen direkten Gewinn machen, sondern mögliche Verluste einer anderen Position ihres Portfolios damit begrenzen. So haben sie sich für verschiedene Szenarien abgesichert.

Insgesamt ist diese Anlagestrategie als sehr spekulativ und somit überaus risikoreich einzuordnen sollte nur von erfahrenen Anlegern angewendet werden.

 

Wie baue ich eine Shortposition auf?

Wie der Kauf von Wertpapieren funktioniert, wissen die meisten Anleger. Beim Shorten wird es technisch etwas komplexer. Nicht nur große professionelle Anleger wie Hedgefonds können „short gehen“, auch Privatanleger haben die Möglichkeit. Wir zeigen drei der gängigsten Methoden:

 

Der klassische Leerverkauf

Hierbei leiht sich der Shortseller eine höhere Stückzahl der Aktie, von der er glaubt, dass sie im Wert fallen wird und verkauft diese Aktien dann am Markt für den aktuellen Kurs. Der Shortseller setzt jetzt darauf, dass der Kurs der Aktie fällt und er sie zu einem geringeren Preis wieder zurückkaufen kann, um seine geliehene Position wieder auszugleichen. War die Wette erfolgreich, streicht der Shortseller jetzt die Differenz zwischen der ursprünglichen Aktienpositionen und der später gekauften Aktienposition.

Wenn die Wette nicht aufgeht, kann das ziemlich teuer für denjenigen werden, der sie platziert hat, denn er muss trotzdem seine geliehene Position begleichen. Da eine Aktie, zumindest theoretisch, unbegrenzt im Kurs steigen kann, sind auch den Verlusten hier keine Grenzen gesetzt. Diese Methode ist besonders risikoreich und wird in der Regel von Profis eingesetzt.

 

Optionen

Mit so genannten Put-Optionen können Anleger ebenfalls auf sinkende Kurse wetten. Anleger, die eine Put-Option kaufen, erwerben damit das Recht, den festgelegten Basiswert zum in der Option festgelegten Preis (Ausübungspreis) zu verkaufen. „Basiswert“ ist in unserem Szenario besagte Aktie, auf deren Wertverfall der Anleger wettet. Der Basiswert kann allerdings auch eine Währung, ein Rohstoff oder ein Index sein. Wenn der Basiswert über dem Ausübungspreis bleibt, muss der Anleger die Aktie nicht erwerben. Anders als beim Leerverkauf sind die Verluste somit auf die, in der Regel bereits sehr hohen, Kosten für den Optionskontrakt begrenzt. Trotzdem handelt es sich hier um ein spekulatives Finanzprodukt.

 

Futures

Futures entstammen, ebenso wie die Optionen, aus der Familie der Derivate und sind damit ebenfalls den spekulativen Finanzprodukten zuzuordnen. Als Derivate beziehen sich auf Futures auch auf einen Basiswert. Anders als Optionen sind Futures allerdings verpflichtende Kontrakte. Heißt: Wer ein Future erwirbt, muss zum vorher vereinbarten Preis den entsprechenden Basiswert kaufen. Nur durch einen Weiterverkauf des Kontrakts lässt sich das verhindern. Auch hier kann der Anleger auf fallende Kurse setzen, wenngleich das Prinzip etwas abweicht.

 

Contract for Difference (CFD)

Auch die hoch-spekulativen CFDs gehören zu den Derivaten. Im Kern sind sie nichts anderes als eine Wette zwischen Broker (Achtung, CFDs werden nicht an der Börse gehandelt, nur über spezialisierte Broker) und Anleger. Der Vertrag beinhaltet den konkreten Differenzwert eines Basiswerts (Aktie, Rohstoff, Index, etc.) im Vergleich vom Vertragsabschluss bis zum Vertragsende. Im Falle eines Shorts profitiert der Anleger entsprechend, wenn der Kurs des Basiswerts fällt.

Eine Besonderheit der CFDs ist, dass sie in der Regel mit einem Hebel operieren. Nur ein geringer Teil des letztlich eingesetzten Kapitals kommt vom Anleger selbst, die sogenannte „Security Margin“. Der Rest ist Fremdkapital. Somit kann der Anleger einerseits seinen Gewinn erhöhen, aber eben auch seinen Verlust, bis hin zum Totalverlust. Eine Nachschusspflicht, wie sie aus dem klassischen Leerverkauf bekannt ist („Margin Call“), ist bei CFDs seit 2017 untersagt. Damit sind Verluste über den eigenen Kapitaleinsatz hinaus nicht mehr möglich.

 

Risiken und Nebenwirkungen

Insgesamt ist Short Selling durch seinen spekulativen Charakter mit vielen Risiken verbunden und mit Vorsicht zu genießen. Eine pauschale Verteufelung ist wiederum genauso wenig sinnvoll, wie ein blauäugiger Umgang damit. Vor allem der klassische Leerverkauf ist durch die Nachschusspflicht gefährlich und mit enormen Verlustrisiken. Aber auch Derivat-basiertes Short Selling ist mit großen Verlustrisiken verbunden. Auch die Kosten sind ein nicht zu vernachlässigender Faktor.

Aber ist nicht gerade in schwierigen Marktphasen das Short Selling eine gute Möglichkeit, um das eigene Portfolio abzusichern? Ja und nein. Sich gegen eine negative Marktentwicklung absichern zu wollen, ist keine schlechte Idee. Dennoch kann eine solche Absicherung in unerfahrenen Händen schnell gefährlich werden.

Bei Solidvest sehen wir grundsätzlich von spekulativen Investment-Strategien ab und setzen stattdessen auf ein diversifiziertes Einzeltitel-Portfolio und die taktische Steuerung der Asset-Allokation über die Cashquote. Zwar birgt jedes Investment am Kapitalmarkt Verlustrisiken, die Risiken und Kosten für Short Selling sind allerdings ungleich höher.

Sebastian Hasenack

Der Autor

Sebastian Hasenack

Herr Hasenack ist studierter Diplom-Ökonom und beschäftigt sich seit 2015 mit digitaler Geldanlage. Er ist Mitgründer der ersten digitalen Vermögensverwaltung aus Luxemburg. Als verantwortlicher Geschäftsführer konnte er B2C sowie B2B-Modelle eines FinTechs begleiten. Vor der online Variante arbeitete Herr Hasenack im Portfolio- und Fondsmanagement einer klassischen Vermögensverwaltung. Bei Solidvest ist Herr Hasenack als Leiter verantwortlich für Vertrieb und innovative Kooperationsmodelle.

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