So vermeiden Anleger emotionales Investieren

Das eigene Portfolio zu überwachen ist eine essenzielle Aufgabe für jeden Anleger. Denn nur so können Investoren bei Bedarf nachjustieren oder auf ein sich veränderndes Marktumfeld reagieren. Gleichzeitig ist die permanente, beinahe obsessive Beobachtung der eigenen Investments auch ein Risiko. Anleger benötigen eine ausgeprägte Impulskontrolle, um nicht Opfer ihrer eigenen Emotionen zu werden und dem Markt hinterher zu laufen. Doch wie gelingt es Investoren, genau das zu vermeiden und trotzdem einen wachsamen Blick auf ihr Portfolio zu haben?

Der Schlüssel liegt darin, die emotionalen Grundlagen des Investierens zu verstehen und sowohl euphorische als auch depressive Investmentfallen als solche zu erkennen. Nur so können Anleger ihre Entscheidungsfindung von Emotionen befreien.

 

Verhaltenspsychologie

Zahlreiche Wissenschaftler und Studien haben sich en Detail mit dem Anlegerverhalten auseinandergesetzt und versucht, dieses zu erklären. Eine wiederkehrende Beobachtung: Bauchentscheidungen setzen immer wieder rationale Verhaltensweisen außer Kraft. Insbesondere dann, wenn der Anleger unter Stress steht. Dabei kann Stress sowohl durch Euphorie (FOMO) als auch durch Panik (Crash-Sorge) ausgelöst werden. Entscheidungen, die unter Stress getroffen werden, tendieren dazu, nicht die bestmöglichen Entscheidungen zu sein. Gerade für Privatanleger, die in aller Regel das eigene, hart verdiente Geld investieren und zu mehren suchen, kann das unschöne Konsequenzen haben.

 

Ehrlich währt am längsten

Der Klassiker unter den Stress-Szenarios sind, natürlich, Kursverluste. Anleger, die in ihre Portfolios schauen und feststellen, dass der Markt aktuell wenig freundlich aussieht, neigen dazu, ihre initiale Anlageentscheidung zu hinterfragen. Habe ich einen Fehler gemacht? Ist es doch zu gefährlich? Das kann auch passieren, wenn Anleger ihre eigene Risikotoleranz im Vorfeld der Investition überschätzen. Deswegen ist es wichtig, bei der Klärung dieser Fragen ehrlich mit sich selbst zu sein und sich die Risiken eines Engagements am Kapitalmarkt zu vergegenwärtigen. Anleger, die sich der bestehenden und möglichen Risiken bewusst sind, können Stress reduzieren und den Einfluss von Emotionen geringhalten.

 

Die Sache mit dem Timing

Mediale Berichterstattung ist immer wieder ein Treiber für überstürztes, unüberlegtes Handeln. Da die Medien den Zwängen der modernen Aufmerksamkeits-Ökonomie unterliegen, geraten journalistische Grundsätze wie Ausgewogenheit und Sachlichkeit immer wieder ins Hintertreffen. Je dramatischer die Berichterstattung, desto eher kann sie emotionale Kurzschlüsse auslösen. Als zusätzlicher Verstärker dienen Facebook, Instagram und Co., auf denen sich Informationen rasend schnell verbreiten.

Jeder Anleger muss sich selbst die Frage stellen, wie sinnvoll eine Handlungsentscheidung auf Basis einiger Schlagzeilen ist. Und ob der Markt diese Informationen, aufgrund derer man eine Timing-Entscheidung trifft, nicht bereits eingepreist haben könnte. Warum Timing eine ambivalente Angelegenheit ist, haben wir in diesem Artikel erklärt.

 

Was tun gegen die Emotion?

Zwei wichtige Methoden, die Anlegern helfen können, emotional getriebene Entscheidungen zu vermeiden, sind die Portfoliodiversifikation und das regelmäßige Investieren via Sparplan. Ein gut diversifiziertes Portfolio ist auch in volatilen Märkten ein verlässlicher Begleiter. In der Regel existieren in einem Portfolio dann negative Korrelationen: Performt ein Asset schlecht, gleicht ein anderes diese Entwicklung mit guter Performance aus. Wie genau Anleger das Risiko in ihrem Portfolio mittels Diversifikation steuern können, haben wir auf unserem Blog erklärt.

Neben der Diversifikation ist ein festes periodisches Investieren mittels Sparplans eine sinnvolle Möglichkeit, um Schnellschüsse zu vermeiden. Statt nach besonders günstigen (oder schlechten) Zeitpunkten Ausschau zu halten und eine Investition davon abhängig zu machen, ignoriert ein festgelegter Sparplan die kurzfristige Aussicht. Damit glätten sich gleichermaßen die Spitzen und Tiefen in den Kaufkursen. Und vor allem nimmt dieses Vorgehen Stress vom Anleger.

 

Wie emotional ist der Markt?

Kurze Antwort: sehr. Emotionen spielen am Kapitalmarkt eine wichtige Rolle. Um zu wissen, wie es um das emotionale Innenleben der Märkte bestellt ist, lohnt sich für Anleger ein Blick auf verschiedene Stimmungs- oder Sentiment-Indikatoren. Beispielsweise zeigt der VIX Index der Terminbörse Chicago Board Options Exchange (CBOE) die kurzfristig erwartete Schwankungsintensität im S&P500, anhand von Optionspreisen. Auch der Fear & Greed Index (Angst und Gier) des Medienhauses CNN zeigt, wie optimistisch bzw. pessimistisch die Marktteilnehmer sind, auf einer Skala von 1 bis 100. Wobei 1 besonders ängstlich und 100 besonders gierig ist. Die Stimmungslage der Anleger im Blick zu behalten ist hilfreich, um die eigenen Emotionen besser einordnen zu können.

 

Strategisches Ideal

Emotionsfrei zu investieren ist fraglos ein Idealzustand, der nur schwierig zu erreichen ist. Dennoch gibt es Mittel und Wege, um die eigenen Emotionen besser einzuschätzen und zu kontrollieren. Anleger müssen sich selbst und ihre Eigenheiten verstehen, um Schnellschüsse zu vermeiden. Eine strategische Allokation für das eigene Portfolio festzulegen und sich an diese zu halten, ist dafür unverzichtbar. Dafür können Anleger natürlich auch auf die Unterstützung von Profis zurückgreifen.

Sebastian Hasenack

Der Autor

Sebastian Hasenack

Herr Hasenack ist studierter Diplom-Ökonom und beschäftigt sich seit 2015 mit digitaler Geldanlage. Er ist Mitgründer der ersten digitalen Vermögensverwaltung aus Luxemburg. Als verantwortlicher Geschäftsführer konnte er B2C sowie B2B-Modelle eines FinTechs begleiten. Vor der online Variante arbeitete Herr Hasenack im Portfolio- und Fondsmanagement einer klassischen Vermögensverwaltung. Bei Solidvest ist Herr Hasenack als Leiter verantwortlich für Vertrieb und innovative Kooperationsmodelle.

Nichts mehr verpassen. Abonnieren Sie jetzt unseren Monatlichen Newsletter!

Bei Solidvest handelt es sich um eine standardisierte Vermögensverwaltung. Der Vermögensverwalter, die DJE Kapital AG, trifft im Rahmen der mit dem Kunden vereinbarten Anlagerichtlinien sämtliche Anlageentscheidungen nach eigenem Ermessen und ohne vorherige Einholung von Weisungen. Alle veröffentlichten Angaben dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Diese E-Mail stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch eine Einladung zur Zeichnung oder ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzprodukten dar.

Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen berücksichtigen weder die steuerlichen Auswirkungen von Investitionsentscheidungen noch stellen diese eine Steuerberatung dar. Ehe Sie Anlageentscheidungen treffen, sollten Sie sich persönlich von einem Fachmann beraten lassen, da die in diesem Dokument enthaltenen Informationen keine sorgfältige Beratung ersetzen. Weiter eignet sich Solidvest nicht für Sie, wenn Sie einen kurzfristigen Anlagehorizont haben, eine sichere Anlage und sichere Erträge suchen und keine erhöhten Wertschwankungen akzeptieren. Bitte beachten Sie unsere Risikohinweise.

 

FAQ | Datenschutzerklärung

DJE Kapital AG | Pullach | Amtsgericht München | HRB 128888 | St.-Nr. 143/100/31268 | USt-IdNr. DE129331013

Vorstand: Dr. Jens Ehrhardt (Vors.), Dr. Jan Ehrhardt (stv. Vors.), Dr. Ulrich Kaffarnik, Peter Schmitz, Thorsten Schrieber | Aufsichtsrat: Dr. Ralf Bethke (Vors.)