Renditefallen: Diese drei Biases sollten Anleger kennen

Der englische Begriff „Bias“ stammt aus der kognitiven Psychologie. Er bedeutet im Grunde eine verzerrte Wahrnehmung zu haben. Statt rational objektiven Fakten zu folgen, die wir wahrnehmen, folgen wir dann lieber dem „Bauchgefühl“ und bewerten Fakten anhand unserer eigenen Überzeugungen, Vorstellungen und damit verbundenen Emotionen. Wer also einem Bias unterliegt, dessen Urteilsvermögen ist davon betroffen und damit zwangsläufig das Verhalten. 

Allerdings sind Biases nicht ungewöhnliches. Jeder Mensch hat sie in der einen oder anderen Form. Sie haben sich durch Jahrtausende der Evolution fest in unserer DNA verankert. Das hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf Anlageentscheidungen. In der Regel negative. Wir werfen einen Blick auf drei der weitverbreitetsten Biases unter Anlegern und zeigen, wie man diese vermeiden kann.

Bias 1: Herdenmentalität

Dieser Bias sagt es bereits mit seinem Namen: Es geht immer darum, was der Rest der Herde macht. Investoren tendieren dazu, ihre eigenen Anlageentscheidungen an denen von anderen auszurichten. Dafür gibt es zwei prinzipielle Treiber: die FOMO, die „Fear of missing out“. Also die Angst, etwas zu verpassen. Beispielsweise eine Aktie mit vermeintlich enormem Kurspotenzial. Etwa als „heißer Tipp“ vom Kollegen oder sogar aus dem Kreis der Familie. Der zweite Treiber der Herdenmentalität ist das genaue Gegenteil: die Angst davor, einen Fehler zu begehen, den andere nicht begehen. So oder so befriedigt die Herdenmentalität unser inneres Bedürfnis nach Sicherheit. Denn was viele andere tun, kann ja nicht falsch sein. Oder doch?

 

Von Herden und Blasen

Herdenmentalität ist ein starker Bias, der immer wieder auftaucht und Anlegern das Leben schwer macht. Viele Wissenschaftler, Politiker und Finanzmarktexperten sehen in der Herdenmentalität nicht nur ein individuelles Risiko, sondern auch ein Risiko auf volkswirtschaftlicher oder globaler Ebene. Dabei geht es beispielsweise um Spekulationsblasen bestimmter Sektorenaktien, oder sogar ganzer Märkte, wie etwa die Dotcom Blase in den 2000ern. In dynamischen, komplexen Marktphasen wiederum, folgen die Herdeninvestoren oftmals der von Panik getriebenen Masse in den zu billigen Verkauf von Aktien. Und verpassen so im schlimmsten Fall gute Renditemöglichkeiten.

 

Schutz durch Wissen

Doch wie können sich Anleger gegen diesen Bias wehren? Das wichtigste Gegenmittel gegen die Herdenmentalität sind Informationen und Fakten. Die Qualität, der Umfang und die Fertigkeit in der Analyse und Bewertung von Informationen über die Finanzmärkte entscheiden letztlich darüber, wie viel Einfluss dieser Bias auf einen Anleger hat. Doch nicht jeder Anleger hat die Zeit, den Zugang und die Erfahrung, um Informationen gewinnbringend zu nutzen. Das macht die Dienstleistung eines Vermögensverwalters wie Solidvest für Anleger zu einer interessanten Alternative zum „Einzelkämpfer-Dasein“.

 

Bias 2: Verlustaversion

„Verluste wiegen schwerer als Gewinne“ ist eine der klassischen Anleger-Weisheiten und wurde schon 1979 von den beiden Psychologen Daniel Kahnemann und Amos Tversky in ihrem Paper zur Prospect Theory definiert. Dieser Bias, die Verlustaversion, hat für den Anleger weitreichende Folgen. Denn die beiden Wissenschaftler fanden heraus, dass der Drang Verluste zu vermeiden ab einem bestimmten Punkt so stark in den Fokus rückt, dass die Kosten dafür in den Hintergrund treten. Opportunitätskosten spielen dann keine Rolle mehr. Das bedeutet: Anleger verpassen aus Sorge vor Verlusten rational sinnvolle Investmentchancen. Aber nicht nur das.

 

Risiko nicht gleich Risiko

Verlustaversion kann auch dazu führen, dass Anleger ein Fehlinvestment zu lange halten, weil sie es mit Verlust verkaufen müssten. Sie hoffen stattdessen auf eine Erholung der Anlage und vergrößern so ihren Verlust. Dieser Bias kann auch dazu führen, dass Anleger ausschließlich auf vermeintlich sicherer Finanzinstrumente setzen. So gelingt es ihnen zwar, sich vor Marktrisiken zu schützen, die Aktien beispielsweise mit sich bringen. Was dabei aber gerne vergessen wird, sind beispielsweise Inflationsrisiken, die perspektivisch sichere Verluste bedeuten.

 

Strategie gegen Verlustangst

Um sich vor dem Bias Verlustaversion zu schützen, sollten Anleger sich mit dem Konzept von Opportunitätskosten vertraut machen. Ebenso wichtig ist der Aufbau eines Portfolios mit einer guten Diversifizierung, das auch widrigen Marktsituationen gewachsen ist. Deswegen ist eine kohärente Strategie für die Allokation der Assets unverzichtbar. Dazu gehören die Betrachtung von Sektoren, Assetklassen und vieles mehr. Bei der Vermögensverwaltung von Solidvest ist diese Herangehensweise selbstverständlich und die Strategie hinter der Portfolio-Allokation wird von den renommierten Experten der DJE Kapital definiert.

 

BIAS 3: Kurzfristigkeitseffekt

Gute Renditen wollen alle. Schlechte Renditen möchte niemand. Ein naheliegender Fehler, den Anleger deshalb oft begehen, ist die Investition in die aktuell am besten performenden Aktien, Assetklassen, Märkte oder Produkte. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Anleger schlecht performende Assetklassen, Aktien und Co. abstrafen. Der Entscheidung legen die Anleger aber nur eine kurzfristige Betrachtung zugrunde, die möglicherweise ein vollkommen anderes Bild vermittelt als eine längerfristige Perspektive. Hier haben wir es mit dem Kurzfristigkeitseffekt zu tun.

 

Strategie als Opfer?

Dieses Phänomen tritt sowohl in Bären- als auch Bullenmärkten auf. Im Bärenmarkt dominieren fallende Aktienkurse und Pessimismus, sodass die Risikobereitschaft sinkt und Anleger zunehmend ihre Aktienpositionen opfern. Dabei gefährden sie langfristige Anlageziele. Im Bullenmarkt wiederum regiert der Optimismus, denn die Kurse steigen und machen Appetit auf mehr. Das verführt so manchen Anleger dazu, Aktienpositionen auszubauen und mehr ins Risiko zu gehen. Die eigene Strategie aufgrund von kurzfristigen Entwicklungen zu opfern, ist allerdings nur bedingt sinnvoll.

Schocks sind Sonderfall

Eine besondere Situation, wie beispielsweise die Entwicklungen rund um die COVID-19 Pandemie, kann natürlich kurzfristige Anpassungen erfordern. Deshalb ist ein klarer Plan mit einer Trennung zwischen strategischer und taktischer Asset Allokation sehr wichtig für Anleger.

Know your Enemy

Im Umgang mit Biases sollten sich Anleger immer wieder vor Augen führen, welchen Einfluss sie auf den Entscheidungsfindungsprozess haben können. Umso wichtiger ist es, die Biases und ihre Wirkung zu verstehen. So können Anleger bessere Entscheidungen für die Zukunft ihrer Geldanlage treffen. Ein Vermögensverwalter, der bestens mit den Widrigkeiten und Herausforderungen des Marktes vertraut ist, kann hier der richtige Partner sein, um die Risiken durch Biases zu minimieren.

Michael-Philip Müller

Der Autor

Michael-Philip Müller

Herr Müller stellt die Verbindung zwischen der klassischen und der digitalen Vermögensverwaltung her und ist unter anderem für das Product Development bei Solidvest verantwortlich. 2011 begann er seine Karriere bei der BayernLB im Bereich der Unternehmensfinanzierung. Seit 2013 ist Herr Müller bei der DJE Kapital AG in der Prozessoptimierung und im Projektmanagement der Vermögensverwaltung tätig.

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